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Die Gemeinde Großderschau

 

In den Jahren 1773 bis 1775 wurden südwestlich von Neustadt/Dosse die Kolonie Friedrichdorf und sechs weitere Dörfer gegründet. Vor allem aus der Pfalz aber auch Mecklenburg, Polen und Holland kommen Menschen um das wilde Land urbar zu machen.

Es siedelten sich einige hundert Familien an, denen die Aussicht auf Haus und Ländereien, Befreiung von Steuern und Militärdienst so wie freie Religionsausübung verlockend erschienen.

Die Kolonisten sollten Selbstversorger sein jedes einzelne Dorf sollte eigenständig sein. In jedem Dorf wurden Bauern, Hopfengärtner und Büdner angesiedelt.

Die Bauern bekamen so genannte Holländergüter mit ca. 20 ha Land und einem Holländerhaus als Wohn und Wirtschaftsgebäude. Die Häuser waren dem Niedersachsenhaus nachempfunden und als Fachwerkhäuser errichtet worden. Aus diesen Einzelhäusern entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte die so genannten Dreiseitenhöfe mit Stallgebäude und Scheune. Fast jeder Hof hatte einen Lehmbackofen und einen Ziehbrunnen.

 

Hopfengärtner bekamen ca. 5 ha Land und ein kleineres Haus mit erhöhtem Drempel als Darre um Hopfen zu trocknen. Hopfenanbau lohnte sich in unserer Gegend aber nicht, so dass die Hopfengärtner als Kleinbauern wirtschafteten und in Laufe der Jahre ihre Häuser entsprechend umbauten.

Büdner waren Handwerker wie Seiler, Pantinenmacher, Tischler, Stellmacher Schmiede und Tagelöhner, sie bekamen 5 Morgen Land und waren in Büdnerdoppelhäusern untergebracht.

 

Die Dörfer  sind sehr auseinander gezogen und teilweise auf einer Straßenseite bebaut. Die Wege zum Acker wurden dadurch kurz. Gebaut wurde in der Regel auf höheren Sandflächen, um vor Überschwemmungen sicher zu sein.

Die Namen der kleinen Dörfer sind nach dem „Alten Fritz“ oder seinen Staatsministern und nach alten Vorwerken, Flurnamen benannt worden.

1938 wurden vier kleinere Dörfer eingemeindet zum Dorf “Friedrichsdorf“.

Am 1.Juli 1951 wurde das Dorf in Großderschau umbenannt.

1973 wurde mehrer Dörfer eingemeindet, Rübehorst und Altgarz behielten aber ihre Namen.

 

Fast wäre das Dorf am Anfang des 19. Jahrhunderts zu Reichtum gekommen. Während des Rückzugs der Franzosen 1813 mussten diese ihre Kriegskasse zurücklassen. Ein Kahn, der Kanonenkugeln und die Kasse transportierte, ging nahe des Wiesenbrücke zu Friedrichsbruch, die über die Dosse führte, unter. Der Kahn versank schnell im tiefen Schlamm. Die Kugeln konnten 100 Jahre später gehoben werden, die Kasse hingegen wartet noch immer auf einen glücklichen Finder.


In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wirkte in Großderschau der Heimat- und Mundartdichter Wilhelm Hengst.

 

Um 1850 wurde in Großderschau Adolf Rautmann geboren. Dieser trat bereits im Alter von 14 Jahren als Spaßmacher auf Festen und im Zirkus auf. Das sahen die Bewohner des Dorfes aber gar nicht gern und Rautmann wurde aus der Heimat verbannt.
Nach einer erfolglosen Zeit als Gaslaternenanzünder in Berlin trat er wieder auf und nannte sich fortan " Onkel Pelle", weil er in Berlin sowenig zu essen hatte, dass er nur noch Haut und "Pelle" war. Onkel Pelle war später auf vielen großen Festen in Berlin und in den deutschen Seebädern unterwegs und sehr erfolgreich, so dass sogar der Name "Onkel Pelle" gesetzlich geschützt wurde.
Das Geburtshaus des Spaßmachers ist noch erhalten und kann neben dem Museum "Kolonistenhof" in Großderschau betrachtet werden.